Wir sind das Volk.

Zwei aus dem Volk sagen ihre Meinung.

Das Ergebnis der Europawahl: Der Widerstand muss ins »Real-Life«

with 4 comments

Die heutige Europawahl ist noch nicht endgültig ausgezählt, aber der Trend ist schon deutlich zu sehen. Zunächst einmal ist anzumerken, dass die CDU/CSU – im Vergleich zur letzten Europawahl – mit einem Minus von mehr als 6% einen dramatischen Verlust an Wählerstimmen verzeichnet. Sicherlich nicht so viel, wie die Netzaktivisten und Zensursula-Gegner erhofft hatten. Aber trotzdem ist es ein deutlicher Verlust – ganz egal, mit welchen blumigen Worten die Politiker versuchen, das Ergebnis schön zu reden.

Die SPD konnte aus diesem Verlust keinen Vorteil ziehen, vielmehr sind auch der SPD noch ein paar Stimmen abhanden gekommen. Die verlorenen Stimmen kommen statt dessen den Grünen, den Anderen (inklusive der Piraten), der Linken, aber vor allem der FDP zu gute – daran konnte auch die Affäre um die Spitzenkandidatin der FDP offensichtlich nichts ändern. Immerhin ist hier anzumerken, dass sich die FDP ganz klar gegen Internetsperren und Zensur ausgesprochen hat.

Hüten sollte man sich in diesem Zusammenhang vor einem Vergleich mit der letzten Bundestagswahl. Denn schon aufgrund der geringen Wahlbeteiligung ist ein solcher Vergleich nicht annähernd Aussagekräftig.

Schaut man sich die Zahlen etwas genauer an (in diesem Fall die Analysen des ZDF; dort Analysen und dann Wahlentscheidung in den Sozialen Gruppen auswählen), dann fallen einige Faktoren besonders auf:

Die CDU/CSU bekommt den deutlich größten Anteil ihrer Stimmen von den über 60-jährigen (Analyse-Bild 1/17). Die SPD übrigens auch, aber dort ist der Anteil nicht ganz so groß (Analyse-Bild 2/17). Außerdem stimmen vor allem Menschen mit geringer Bildung für die Union (Analyse-Bild 6/17). Genau in diesen beiden Bereichen kommen die populistischen Aussagen einer Frau von der Leyen hervorragend an. Hier zählen vor allem ihr „Übermutter-Image“, die belehrende Stimme mit der sie vermeintliche Fakten verkündet und die schrecklichen Bilder, die sie so gekonnt verwendet.

Daraus lässt sich vor allem folgendes schließen: Der Widerstand der Community muss

1. Das Netz verlassen und hinein ins Volk! Auf die Straße, in die Kneipe, in die Mittagspause im Job, hinein in die Familien, und an den Sonntags-Kaffeetisch bei Oma und Opa… die Diskussionen in den Blogs sind nützlich und hilfreich – aber bei weitem nicht ausreichend. Ach ja – auch im Netz gibt es noch viele Bereiche, wo Menschen überzeugt werden können – in den vielen, vielen, normalerweise unpolitischen Communities und Foren.

2. Verständlicher werden! Bessere Worte, bessere Beispiele, mögen sie auch manchmal populistisch klingen. Es nützt nichts: Ein interessanter Artikel in der Zeit und im Spiegel sind zwar ein großer Erfolg, aber gelesen werden die brutalen, knackig-kurzen Überschriften in der Bild.

Es ist gut, dass wir uns im Netz gegenseitig überzeugt und mit Informationen versorgt haben, aber nun muss es weiter gehen. Nun sind die Eltern und Großeltern dran, die Arbeitskollegen, die Leute im Biergarten am Nachbartisch…

Wir hatten einen guten Start, über 6% Minus bei Zensursulas Partei sind ein Erfolg! (Update: Wie Ranjit gerade ganz richtig kommentiert hat, ist der „Zensursula“-Widerstand natürlich nicht allein für die 6% zuständig – diesen Eindruck wollte ich eigentlich nicht erwecken. Aber wenn unser Widerstand auch nur für ein halbes Prozent verantwortlich ist, so ist es doch ein schöner Erfolg!)

Nun haben wir bis zur Bundestagswahl im September noch gut 3 Monate Zeit. Genug, um unseren Widerstand in verständliche Worte zu fassen und ins »Real-Life«, ins ganz normale Leben ausserhalb des Netzes zu tragen.

Wer weiß, vielleicht schaffen wir dann auch zur Bundestagswahl ein Minus von über 6% bei den „Sperrbefürwortern, Datensammlern und Kontrollfanatikern“… das ließe sich dann auch nicht mehr so leicht schönreden.

Wir sind das Volk – aber nicht nur wir, da sind noch viel mehr!

PS: Liebe Piraten, ich las heute abend viele enttäuschte Tweets. Lasst den Kopf nicht hängen! Für Euch gilt dasselbe, was für den Widerstand der Community gilt: Ihr müsst raus aus den „politisch-elitären“ Internet-Kreisen und rein ins tägliche Leben des Volkes!

Written by mjuenemann

7. Juni 2009 um 22:02

4 Antworten

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  1. Ich stimme völlig zu, das eine Brücke zum Reallife und besonders auch in bildungs- und technikferne Gebiete geschlagen werden muss.

    Nicht plausiebel finde ich, dass, wie im Post suggeriert wird, die Verluste der Union maßgeblich auf die Zensursula Debatte zurückzuführen sind.
    Wir haben immer noch die krasseste Wirtschaftskriese seit Jahrzehnten. So wichtig uns das Thema Internetzensur erscheint, es ist wirklich nicht alles.

    Entsprechend muss nicht nur unsere Meinung ins RL, das RL muss auch in unsere Köpfe. ;P

    Ranjit

    7. Juni 2009 at 22:39

  2. Stimmt – Danke für den Hinweis, Ranjit. Ich habe oben noch Update eingefügt und den Eindruck richtig gestellt.

    mjuenemann

    7. Juni 2009 at 23:09

  3. „Die CDU/CSU bekommt den deutlich größten Anteil ihrer Stimmen von den über 60-jährigen (Analyse-Bild 1/17).“

    Diese Aussage gibt die Analyse so nicht her, da wir nicht wissen, wieviel Prozent der Wähler über 60 waren. Nehmen wir allerdings z.B. 40% an, dann hätte die CDU mit ihrem Stimmenanteil von 48% folglich 19,2% aller abgegebenen Stimmen von den Ü60, also etwas mehr als die Hälfte ihrer Stimmen.

    Ansonsten sind wir einer Meinung.

    Turrambar

    8. Juni 2009 at 18:40

  4. […] Und dann gibt es da auch noch einen Kommentar von Wir-sind-das-Volk: Das Ergebnis der Europawahl: Der Widerstand muss ins »Real-Life« […]


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