Wir sind das Volk.

Zwei aus dem Volk sagen ihre Meinung.

Offener Brief zum Muttertag

with 11 comments

Liebe Frau von der Leyen,

heute ist Muttertag. Sieben Kinder werden Sie das sicherlich liebevoll und dankbar spüren lassen. Die Kinder sind das Wichtigste, wir müssen auf sie aufpassen, sie beschützen. Meine kleine Tochter wird in zweieinhalb Monaten fünf. Der Gedanke, dass es Menschen gibt, die Kinder wie meine kleine Tochter missbrauchen, macht mich unsagbar wütend und erfüllt mich zugleich mit Angst.

Mein Job, wie auch meine privaten Interessen führen mich seit vielen Jahren ins Internet. Ich bin einer von den 20%, die Ihre geplanten Sperren in 30 Sekunden ausschalten können. Dafür brauche ich nicht einmal eine Anleitung. Und ich bin übrigens kein “Pädokrimineller”.

Ich habe mir sicherlich schon viele tausend Webseiten angesehen – und vieles, dass nicht auf Webseiten zu finden ist. Bisher habe ich noch keine einzige Quelle für kinderpornografisches Material entdeckt. Sollte das einmal passieren, dann bin ich mir ganz sicher, dass mich das nicht “anfixen” wird. Vielmehr werde ich sofort Anzeige erstatten und versuchen, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit diese Quelle ausgetrocknet wird. Ich sehe schon die sehr bemühten aber etwas ratlosen Polizisten im Polizeirevier um die Ecke, die meine Anzeige entgegen nehmen müssten…

Jeder einzelne meiner Freunde und Bekannten – von denen viele ebenfalls zu den 20% gehören – würden ganz genau dasselbe tun. Wir würden uns gegenseitig helfen und unterstützen, denn die Widerwärtigkeit des Missbrauchs von Kindern steht vollkommen außer Zweifel. Und vermutlich ist dieses Thema in den letzten Jahren auch überhaupt nicht ausreichend behandelt worden.

Und nun kommen Sie, im Wahlkampfjahr 2009 und am Ende Ihrer derzeitigen Amtsperiode, plötzlich auf die Idee, quasi im Handstreich das Problem lösen zu wollen.

Im Prinzip eine grandiose, unterstützenswerte Idee!

Aber warum um alles in der Welt fangen Sie dann nicht damit an, das Problem zu lösen? Ein Vorhang vor etwas, dass sowieso kaum im öffentlichen Internet zu finden ist, bringt überhaupt gar nichts. Und gut gemeinte Worte wie “wenn nur ein Kind…” bla bla bla!

SIE WERDEN NICHT EIN EINZIGES KIND DAMIT RETTEN!

Was soll das? Wenn das BKA Sperrlisten hat, diese wöchentlich pflegen und ergänzen kann, dann bedeutet dies, dass das BKA weiß, wo die Server der Kinderschänder zu finden sind. Und nach allem, was wir bisher wissen, stehen die zu mindestens 90% in der westlichen Welt, in den USA, in den Ländern der EU – und auch hier in Deutschland! Gehen Sie hin, schalten Sie die Server aus, machen Sie die Täter dingfest, beseitigen Sie das Übel an der Wurzel.

Oder ist das ganze nur ein populistisches Wahlkampfmanöver?

Dann haben Sie leider Pech gehabt, denn das wird nach hinten los gehen. Aktuell haben schon über 65.000 Menschen die Online-Petition gegen Ihr Gesetz gezeichnet. Die Presse ist aufmerksam geworden und immer mehr Berichte und Artikel beschäftigen sich mit dem Thema. Die Petition wird Ihr Gesetz nicht stoppen können. Aber wir alle sind Wähler – und in diesem Jahr ist Bundestagswahl.

Wenn Sie ernsthaft daran interessiert sind, das Problem zu lösen, dann haben Sie jetzt noch für eine kurze Zeit die Chance dazu. Geben Sie zu, dass Sie einen Fehler gemacht haben, holen Sie sich die Experten zur Beratung und dann ergreifen Sie Maßnahmen, die das Übel an der Wurzel packen. Und so ganz nebenbei würde eine solch mutige und ehrenhafte Tat Ihnen weit mehr Stimmen und Rückhalt in der Bevölkerung verschaffen, als Sie es sich überhaupt vorstellen können.

Heute ist Muttertag. Eine gute Gelegenheit, liebe Frau von der Leyen, um noch einmal inne zuhalten, und im Kreise der geliebten Familie nachzudenken.

Viele Grüße und eine schönen Sonntag.
Markus Jünemann

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Written by mjuenemann

10. Mai 2009 at 03:47

11 Antworten

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  1. [...] mehr und mehr – und durchaus auch differenziert – auf und es entstehen mitunter großartige Blogpostings zum Thema, die das Zeug dazu haben, eine große Zahl der Internetnutzer zu [...]

  2. [...] SchreiNoch mal in Ruhe, für alle Politiker offener Brief zum Muttertag Wie man eine Generation verliert Ein Vorschlag zur Güte, Frau von der LeyenPeng, du bist tot! [...]

  3. [...] via Markus Jünemann http://wsdv.wordpress.com/ Posted in internet, real life. Tags: internetzensur, von der leyen, zensur, zensursula. No Comments » [...]

  4. [...] einer Mutter” den es beim MOGIS Verein und passend dazu gibt es jetz auch den “Brief eines Vaters“. Mütter und Väter sind mit die Personen, denen Kindesmissbrauch am nächsten geht, und [...]

  5. Am 23. 05. wird um 14:00 in Berlin öffentlich das Grundgesetz
    gelesen. Anlaß ist der 60. Geburtstag des Grundgesetzes. Mehr hier
    http://mogis.wikia.com/wiki/Grundgesetzlesen#Grundgesetz_lesen
    und hier http://answers.polldaddy.com/poll/1609346

    Wäre doch toll, wenn hier viele mitlesen würden.

    ypsilonminus

    11. Mai 2009 at 00:37

  6. [...] (Edit: Auch der Blogger Markus Jünnemann unterstützt meine obige These in seinem lessenswerten + sachlichen Beitrag “Offener Brief zum Muttertag“: [...]

  7. [...] 10.05.2009 – Offener Brief zum Muttertag – Wir sind das Volk [...]

  8. [...] hatten schon Mütter, die gegen das Gesetz protestierten, Väter die gegen das Gesetz protestierten und hier nun haben wir Eltern, aus IT Berufen, die gegen das Gesetz protestieren. Wann sieht die [...]

  9. [...] via Markus Jünemann http://wsdv.wordpress.com/ Posted in internet, real life. Tags: internetsperren, internetzensur, von der leyen, zensur, zensursula. No Comments » [...]

  10. [...] dafür möchte ich die besonders gelungenen Beiträge Warum es um Zensur geht von Jens Scholz und Offener Brief zum Muttertag von Markus Jünemann auf dem Blog Wir sind das Volk sowie den Leitartikel Zensur hilft keinem Kind [...]


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