Schwere Jahre…
…stehen uns wohl bevor. Ob die FDP tatsächlich irgendeinen Einfluss nehmen/haben wird, zeigen vermutlich die nächsten Tage und Wochen. Die CDU jedenfalls steht fest zu ihren Ansichten:
Heise online: CDU hält an Vorratsdatenspeicherung und Websperren fest
Und währenddessen wird an anderer Stelle schon fleissig an der Ausweitung der Sperren gearbeitet. Der „Expertenkreis Amok“ scheint seinem Namen alle Ehre zu machen:
Golem.de: „Expertenkreis Amok“ fordert Spielverbot und Internetsperren
Urheberrecht – neue Fronten werden aufgebaut. Lesetipps!
Es begann mit der Erfindung der digitalen, verlustfreien Kopie. Es ging über private Raubkopierer bis zu Pirate Bay. Mittlerweile hat die Diskussion über das Urheberrecht eine ganz neue Qualität erreicht. Mittlerweile ist es nicht nur die Musikindustrie, die verzweifelt gegen jede digitale Kopie kämpft, oder die Filmindustrie. Inzwischen ist der Kampf auch bei Zeitungen und Journalisten angekommen. Auch hier kämpft die „Verwertungsindstrie“ mit der Kopierbarkeit ihrer kostbaren Verwertungs-Ressourcen.
Hamburger Erklärung
Hubert Burda, der Verleger und Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger hat in der Hamburger Erklärung ein „Leistungsschutzrecht“ für Verlage gefordert. (Die Hamburger Erklärung bei Axel Springer, Die Hamburger Erklärung als PDF).
Wie kürzlich auch hier im Blog berichtet, hat sich der SPD Kanzlerkandidat Steinmeier vor diesen Karren spannen lassen und plant in seiner „Schatten“-Medienpolitik die Einführung eines solchen „Leistungsschutzrechtes“.
Internet-Manifest
Nun hat „das Netz“ in Gestalt von fünfzehn einflussreichen Bloggern und Journalisten zurückgeschlagen. In ihrem Internet-Manifest haben sie 17 Behauptungen aufgestellt, wie Journalismus heute funktioniert (unter anderem Thomas Knüwer, Markus Beckedahl, Johnny Häusler, Stefan Niggemeier,…). Mit ihren zum Teil gut durchdachten, teilweise aber zu kurz geratenen – und leider in manchen Teilen erschreckend ungenauen oder gar falschen – Thesen, bezieht das das Manifest eine klare Gegenposition zu den „Burda’s“ und „Springers“.
Das Manifest ist aber auch an sich bereits ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Journalismus und Kommunikation im Internet-Zeitalter funktionieren: Es ist nicht etwa in Stein gemeißelt, sondern es ist integriert in ein Wiki (Wiki? Siehe Wikipedia Erklärung), welches eine offene und interessante Diskussion und direktes Feedback ermöglicht. Anders als Burda’s Hamburger Erklärung ist das Internet-Manifest von Anfang an ein typisches Stück Internet.
Auch, wenn das Manifest noch nicht ganz fertig scheint – schon jetzt hilft es, die verlogene Doppelmoral der klassichen Zeitschriftenverlage zu demaskieren. Diese wollen aus reiner Profitgier ihre Pfründe schützen und vollkommen veraltete und bereits nicht mehr funktionierende Systeme mit aller Gewalt am Leben erhalten – obwohl der Journalismus längst neue Formen angenommen hat.
Hierzu noch ein weiterer Artikel:
Urheberecht unter Druck
Auf Zeit online ist gestern ein hochinteressantes Interview veröffentlich worden. Unter dem Titel „Jura ist nicht dazu da, antiquierte Geschäftsmodelle zu schützen“ befragte Zeit online den Rechtsprofessor und Richter Thomas Hoeren. Und der nahm kein Blatt vor den Mund, sondern gab ein geradezu erstaunliches Interview
Schade, dass das Intervie nur so kurz ist, man wünschte sich noch viele weitere Antworten von Herrn Hoeren zu hören. Trotzdem: Unbedingt lesen!
Und wieder Piraten…
Auf Blinzeln fand ich 23 Gründe, die Piratenpartei zu wählen.
Soweit, so gut. Allerdings fehlt mir da ein bisschen der echte Dialog und ein wenig selbstkritisches Hinterfragen. Natürlich – im Wahlkampf ist soetwas kaum gewünscht.
Es geht vor allem um ganz einfache, simpel ausgedrückte und eingängige Sätze. Bloß niemanden mit Inhalten verwirren und auf keinen Fall schwer zu vermittelnde Konzepte ansprechen. Das machen ja alle großen Parteien in diesen Tagen wieder perfekt vor. Und in dieser Beziehung lernen die Piraten fleißig dazu.
Nicht verwechseln, dies ist NICHT eine offizielle Stellungnahme der Piraten! Es ist eine persönliche Äußerung des „Blinzeln“-Blog-Betreibers. Gerade das macht es so interessant. Er ist nach eigenem Bekunden ein Sympatisant, aber „noch kein Mitglied der Piraten“. Und damit reflektiert er auf interessante Weise, was von den Aussagen und Ideen der Piraten bei einem Internet-affinen Nichtpiraten eigentlich angekommen ist.
Einfach mal lesen.
Nicht das es falsch verstanden wird – ich bin ebenfalls ein Sympatisant und kein Mitglied der Piraten. Ich ringe nach wie vor damit, dass die Piraten zur Zeit der einzige Ausweg aus der schweren, politischen Krise sind – aber zugleich Meinungen vertreten, die ich in dieser Form nicht (alle) teilen kann.
Da hilft nur eins: Sprechen, diskutieren, bloggen, Blogs lesen und weiter diskutieren!
Auch das ist Internet: The Pirate Bay 2.0
Wie ich gerade auf BasicThinkingBlog lesen konnte: Erster 1:1-Klon von The Pirate Bay aufgetaucht
Die Website komplett zum Download anzubieten, ist mit Sicherheit ein schwerer Schlag für die stets mit härtesten Bandagen kämpfende Verwertungsindustrie. Nachdem der erste einen erfolgreichen Klon gestartet hat, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis dutzende von Pirate Bays im Internet erscheinen. Damit ist die stille Hoffnung der Verwertungsindustrie, dass durch den Aufkauf von The Pirate Bay möglicherweise der bekanntesten Feind aus dem Weg geräumt würde, geplatzt. Im Gegenteil! Durch die Verbreitung von mehr Pirate Bays wird es noch viel schwieriger werden, die Raubkopier-Szene zu beobachten oder gar zu kontrollieren.
Über kurz oder lang werden die zwielichtigen Jäger, die schon heute im Auftrag der Verwerter im Internet Raubkopierer jagen auf die Idee kommen, selbst Klone aufzusetzen. Einfacher kommen sie kaum noch an die IP-Adressen potentieller Kopier-Sünder…
Letztlich ist das ein Nebenschauplatz der ganz entscheidenden Frage: Wie gehen wir im Internetzeitalter mit den Urheber- und Verwertungsrechten um? Totale Freigabe, wie sie von der Piratenpartei postuliert wird? Totale Kontrolle, wie die Verwertungsindustrie (und wohl auch unser Innenminister) es gern sehen würden? Oder wo liegt der Kompromiss?
Das Internet, Zensursula und der Wahlkampf
Ein sehr interessanter Artikel ist auf Carta erschienen: Ursula von der Leyens Mayhill-Fowler-Moment
Er beschreibt anhand eines – ich gebe zu, nur schwer zu ertragenden – Auftrittes von Zensursula sehr schön, wie das Internet auch den Wahlkampf verändert. Lesenswert!
Das Mediendilemma
Passend zu meinem gestrigen Post hat Thomas Knüwer ebenfalls gestern einen spannenden Beitrag in seinem Blog Indiskretion Ehrensache verfasst: Das unlösbare Gefangenendilemma der Print-Verlage
Die Frage, wie es mit den klasischen Print-Medien im Zeitalter des Internets und der globalen Information weitergehen wird, ist sicherlich eine der spannendsten dieser Tage und vermutlich ein Stück weit richtungsweisend auch für andere „Verwertungsbranchen“. Auch, wenn jede dieser Branchen immer noch ein paar eigenen Regeln folgt und sie nicht hundertprozentig vergleichbar sind.